Süß- und Bittermandel
Noch errötend erhebt sich der sonnige Tag
am Horizont empor.
Nur kurz sein Treffen mit der geliebten,
dunklen samtig Nacht.
Wohl wissend: Natur und Alter,
beglückend, traurig, stets im Wandel,
die Frucht, so erfährt auch er,
ist gleichsam eine Süß- und Bittermandel.
Jung ist dieser Frühlingsmorgen;
engumschlungen Blüten träumen
noch tief im Schlaf,
im schützend, köstlich labend Morgentau.
Unter hellem Sonnenstrahle
werden bald die Blumen ihre Köpfe heben;
doch den Morgentau, der Nacht so gütig Spende,
müssen sie ihm geben.
„Ich muss eilen“ sprach sie,
das Büro schon weit im Rücken,
„mich sehnend schon erwarten,
Tochter und mein Mann.
Ihr erstes Konzert will unsre Tochter geben –
bald, so gegen sieben;
wie groß der Saal!
Wollen gemeinsam begleiten, ihr letztes Üben.“
„Es war schön“, das Nachbar Paar,
nimmt sich Zeit im Abschiednehmen;
wohl zwanzig Jahr sind beid’
in Lieb verständnisvoll verbunden-
man sieht und hat sie gern,
in der Heilen Welt Vergnügen-
Wagen fahren an:
sie gegen Nord, er weit in den Süden.
Oh junge Frau, du sehnig Mann,
wie schön eurer Glieder Schönheit zu seh’n.
Sehnend träumt es laut die üppig Dame
und auch dort der ältere Herr;
fehlend’ Mut, viel unnütz Zweifel,
vereiteln das aufeinander zugehen,
doch in Zuneigung, der gemeinsam Wege,
ist Liebe auch im Alter schön.
Verstehend warme Augen,
erwartend pulsieren Haut und Venen;
Hände suchen, Lippen finden –
oh du schmerzend süße Qual,
unsere Liebe braucht nicht das Feilschen,
widerwärtig Handel,
auch nicht die ewig’ Wahl,
zwischen Süß- oder Bittermandel!

(C) Reinhard Blohm - Brettin
{ Zugesand im September´ 2010 von Reinhard Blohm }
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Die Lust des alten Mannes
Die Haut ist schlaff,
schon längst verbraucht,
doch weil Weihnachten ist
lass ich ihn drauf.
Ein kleines Päckchen,schön verpackt
mit vielen bunten Pillen,
schenken seinem schlaffen Glied
wieder neuen Willen.
Leider, die Dauer ist begrenzt
so dass du schon wieder zum Päckchen rennst.
Die Lust des alten Mannes füllt mich nicht aus
deswegegn geh ich jetzt nach Haus.
Für meinen alten Peter
{ Forumeintrag im Juni´ 2010 von Geile Schnecke89 }

Der Weg
Gegangen ist er viele Wege,
er ging durch Felder, Wald und Flur.
Über hohe Berge, tiefe Täler,
so manchen Flußlauf ist er gefolgt,
an vielen Seen er geruht.
Viele Andere kreuzten seine Weg,
sie begleiteten ihn ein Stück.
Nun geht er diesen Weg allein,
er hofft, das er bald ist Daheim,
denn lange war die Wanderung,
jetzt sehnt er sich nach Ruh,
bis er schließt die Augen zu.
(C) E.Hahn (19.07.2011)
{ Zugesand im Juli´ 2011 von E.Hahn }

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