Schicksalsschläge
Im Zugwind
der Tage
soufflieren
die Gefühle
von ungewollten
Ankömmlingen.
Die Störenden
mit Pantomimengesichtern
zu einem
begleitenden
dumpfen Bass.
Ziehen Schatten
in die Helligkeit
und geben
sie wieder frei
ist die Mission
vollbracht.
(C) Betti Fichtl
{
Zugesand im August´ 2010 von Betti Fichtl }

Geschichte eines Schmetterlings
Es liegt am Hange, tief im Tal
ein sonnig buntes Blumenfeld,
mitten drin ein saugend Falter,
die schillernd Flügel hochgestellt.
„Komm zu mir so rief der Rosmarin;
nimm meiner Kelche Trauben Wein“.
„Bleib“, der Thymian, errötend leis im Sinn.
„Sollst unser Geschmeid' und Krone sein.
„Pha, bei diesen stetig kleinen Gaben,
ewig mein Verbleiben an diesen Ort;
an allen Blüten will ich mich laben“ -
der Falter sprach's und flattert fort.
„Lieb Lupine“ lass mich nun ruh'n,
umhüllt von deiner Finger Blätter.
Bin müd' vom treulos langen Tun
Oh' weh, ahne kommend Ungewetter.
„Nein, farblos nun dein buntes Kleid,
wie maßlos war dein Verlangen.
Suchest Glück und gabest Leid -
in so sinnlos Eitelkeit gefangen!
Ein Farbton hier, ein Farbton dort -
an so vielen Blüten er verblieben;
naschest Öle, ach’ an vieler Ort,
mein Zauber konnte' nicht siegen!“
„Auch an der Meere, ferner Gestaden,
verdorben der einst herrlich Rumpf.
Herbstzeitlose, selbst giftig Oleander“;
die Dotterblume, klagend dicht am Sumpf.
Duftend Gräser, Farn und Sträucher
herrlich glänzend, nass im Morgenrot.
Zwischen Spuren alt, modrig Gemäuer
liegt ein kleiner Falter – er ist tot!

(C) Reinhard Blohm - Brettin
{
Zugesand im September´ 2010 von Reinhard Blohm }

Das Gesetz der Spinne
Strafst mich mit Schweigen
Dein Blick wirkt ganz leer
Schenkst mir kein Lächeln
Meinen Worten kein Gehör
Ich habe die Befürchtung
Du liebst mich nicht mehr
Dein Kuss so eisig
Dein Charme so unterkühlt
So als würdest du wissen
Wie sich der Tod anfühlt
Von kalter Eitelkeit erfüllt
Voller Anmut in Seide gehüllt
Hängst du hier in meinem Netz
Ein Opfer der Spinne und ihrem Gesetz
{
Forumeintrag im Januar´ 2010 von Damon Fry }

Straßengeschichten
Ich schlendre durch die Städte -
höre Ferme Gebete und Bete -
dass mich der Bus
der da grad auf mich zu kommt nicht umfährt.
Ernähre mich von ausschließlich von Mc Donnalds,
habe Fleischreste zwischen den zähnen,
ich muss erwähnen dass Mc Donnalds mich
jeden mal immer wieder high macht,
dann wenn ich für den Burger ´nen Euro Zahle,
und danach mit meinem Kopf
aus der Masse erstrahle.
Herr Minister es geht uns gut,
mit dem Hut in der Hand,
auf einer Bank in der Stadt,
wo wir nach Geld flehen,
da wird nie hingesehen,
aber niemand kann davon weggehen.
Gebildete Leute laufen an uns ungebildeten,
bildlosen, Bildnern vorbei...
Sie bilden sich ein, ein Selbstbild zu schaffen,
und uns doch in Schubladen verharren zu lassen.
Und immer noch habe ich
Fleischreste zwischen den Zähnen -
Aber ich werde sie nicht entfernen,
muss mich jetzt Wochen davon ernähren...
Ja es geht uns gut, Frau Angela Merkel,
sie seinen ein Ferkel würde sich reimen,
aber ich wollt was anderes schreiben,
will nicht schweigen, auch mal zeigen,
was ich meine anschweigend zu schreiben -
denn es gibt so viele Menschen
ohne Fleischreste zwischen den zähnen
die so was nicht überleben.
Ich klaue bei Aldi Papiertaschentücher,
weil nicht krank werden will -
hier auf den kalten, dunklen Nasen Straßen -
in einer Stadt, auf einer Bank
in der ich fremd bin...
und ich fühle meine Gliedmaßen...
wie sie sich auftun, sich nicht auszuruh´n -
denn da hinten kommt der nächste Wachmeister,
der uns bei minus 10 grad Celsius
aus der Kaufhalle wirft.
Ich frage die Frau da hinten
um ein bisschen Geld...
aber noch bevor ich fortfahren kann,
und sie fortgehen wird sich die Frage ihr stellt,
was sie denkt ich würde anstellen
mit ihrem Weggeschmissenem Geld.
Und ich merke, diese Vorurteile
überliegen den Gerechtigkeiten...
Und dann kommen sie wieder
diese vergessen Gedanken,
an die vergessenen Zeiten -
die mir wärme bereiten.
Erinnere mich an meinen Vater,
mit dem ich verstritten auseinander gegangen bin.
An das Haus und die Frau,
an die Kinder und Nachbarn -
an den Hund und das Auto
und die vielen Freunde und Verwandten...
An die Berliner Mauer und dem Berliner Trabanten -
an die Schule und den Job,
an die Kirchgänge und die Frage nach Gott...
Aber ich kann nicht mehr zurück -
musste soviel erdulden habe soviel Schulden...
Keine Frau, Kein Haus, kein Auto kein Hund -
Keine Nachbarn, keine Freunde
nun habe ich einfach keinen Hintergrund.
"Hallo Du Herr, wer du stehst vor mir"...
du umarmest mich, mit tränen in den Augen.
Du hebest mich hoch.
Du gibst mir die Zeit und ich erzähle es dir.
Erzähle die Nöte und Sorgen,
erzähle alles, nichts bleibt verborgen.
Auch du erzählst mir
von deinen schlimmen taten und sagst:
Siehst du? auch ich habe mal einen Fehler gemacht.
Ich habe dich gehen lassen.
Hab dich gehen lassen nur für Hassen,
auf die Nassen Strassen der Stadt.
Der Mann reicht mir seine Alte Hand
und wieder vereint zur Einigkeit
als Vater und Sohn verlassen ich
dieses grausam und kalte Strassenland.
http://www.autinal.de
{
Zugesand im März´ 2011 von Autinal }