Gedichte über Weltträume

Abendtraum

Der Mond erleuchtet unsre Welt
voll und klar und rund
doch kein Stern am Himmelszelt
und man hört Geräusche
nur aus Wind und Wassers
Mund Ruhe überrennt Tal und Feld
alles scheint zu schlafen
Tau glitzert auf den Wiesen
mehr als alles Geld
Über den Menschen
ruht jetzt Frieden Stille,
sanft und leis
keiner der Leut ist allein geblieben
Schneedecke weiss und weich
Ruhe und Frieden erfüllen unsre Herzen
vergessen werden Sorgen und Schmerzen
niemand hat mehr Kummer
die Welt im sanften Schlummer

{ Zugesand im Dezember´ 2008 von Meli }

Pomona und Vertumnus

Die letzten kalten, verstreute Winde
ziehen müd’ über das schlafende Land.
voller Sehnsucht, wollen jetzt erwachen:
Frühlings Boten, ihr leuchtend grünes Band.

Noch ruht im Schutz der Felsen Tiefen,
Pomona, umhüllt vom wärmenden Kleid.
Will nicht erwachen - gar oft ich sie riefe;
ach’ komm’, du Göttin der Fruchtbarkeit!

Da tritt aus dem Haine dunklen Pfaden,
gebückt am Stock, ein altes Mütterlein,
lass uns, du Göttin jetzt miteinander reden-
blickt verlangend auf deren schönen Leib.

Ja, Alte, komm lass uns reden, lachen -
kalt, so einsam ist es in der Winterzeit;
wie schwer fällt mir jetzt das Erwachen,
es fehlt mir sehr - das bunte Frühlingskleid.

Ganz sacht nun legt das lachend’ Weiblein
die Hand auf Pomonas weichem Halses Rund.
Schau! Zu einem Jüngling ich mich wandle,
wir wollen uns vermählen, dies tu ich dir kund!

Du Schöne, komm lass dich doch umarmen,
im Geben, Nehmen, Lust und etwas Leid;
ich bin Vertumnus, Gott der Bäume, Sträucher,
und der vielen tragend Felder, weit und breit.

Und wie brennen da in der Jungfrau Augen,
Sehnsucht, süße Schwäche - oh’ sein Werben,
ja, ja... fruchtbar soll es sein auf Erden,
Blumen, blühend’ Bäume und die späten Trauben!

(C) Reinhard Blohm - Brettin

{ Zugesand im September´ 2010 von Reinhard Blohm }

Irrgarten

Wie schön es ist
im Irrgarten deiner Illusionen,
wie gut es duftet
nach Phantasie und Sehnsucht,
die sich nicht begnügt
mit dem Möglichen.
Noch hat die Hitze der Entbehrung
sein üppiges Gras nicht verbrannt,
noch hat der Hagel der Enttäuschung
seine bunten Blumen nicht geknickt,
noch können die Bäume flüstern,
und ihre Früchte schmecken
nach ewiger Freude.

Laß sie nicht ein,
die ernsten, forschen Gärtner
mit den Sicheln und Heckenscheren,
den Sägen und Äxten,
die gerade Wege anlegen wollen,
damit niemand sich mehr in dir verirrt.
Sie wissen nicht, was Schönheit ist.

Laß nur jene in dein Labyrinth,
die Hoffnung in den Händen tragen
und Zärtlichkeit in ihren Augen,
die Tage nicht nach Stunden messen
und ihr Herz öffnen
dem Zauber hinter den Erscheinungen –
und dabei ganz vergessen,
den Ausgang zu suchen.

(C) Fellfussel

{ Forumeintrag im August´ 2009 von Fellfussel }

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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